Bibelwoche der GEKE 2009

Erinnern und versöhnen. Die Kirchen Europas 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs.

Aus Tschechien und den Niederlanden, aus Polen und Deutschland, aus Ungarn und Lettland, der Slowakei, Russland und Österreich kamen vom 25. bis 29. Juni 2009 evangelische Christinnen und Christen zur Berliner Bibelwoche der GEKE zusammen.

Mit dem Thema der Bibelwoche „Erinnern und versöhnen. Die Kirchen Europas 20 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs“ setzten sich die Teilnehmenden aus verschiedenen Perspektiven in Bibelarbeiten, Vorträgen und Exkursionen auseinander. Die Vielfalt der Erfahrungen aus den verschiedenen Kirchen Europas machte die Begegnung besonders interessant. Manche hatten Krieg und Verfolgung, Jahrzehnte kommunistischer Herrschaft im eigenen Land erlebt, ehe vor 20 Jahren der Eiserne Vorhang fiel. Andere waren als junge Menschen aktiv für die friedliche Revolution eingetreten. Wieder andere wurden damals gerade erst geboren, als der Mauerfall des Jahres 1989 die Welt um sie herum veränderte.

„So haben wir die Wende erlebt“ – mit Erfahrungsberichten aus den Kirchen begann der erste Abend im Akademie Hotel in Pankow. Ganz in der Nähe der ehemaligen Grenze, die Berlin viele Jahre lang in Ost und West teilte. Was hat sich in den 20 Jahren seitdem verändert? Wie gehen die Kirchen mit diesen Veränderungen um? Eindrücklich war der Bericht eines jungen Paares aus Lettland, das davon erzählte, wie es durch die neuen Glaubenskurse seiner Kirche zum Glauben und zueinander fand. Erst seit der Wende hatte die evangelische Kirche in Lettland wieder die Möglichkeit bekommen, öffentlich und missionarisch wirksam zu sein.

„Erinnern und versöhnen“ lautete der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Sàndor Fazakas aus Debrecen, der leider aus familiären Gründen nicht anwesend sein konnte. Seinem Vortrag entnahmen die Teilnehmenden dennoch den wichtigen Impuls, dass „der Ruf nach mehr Freiheit und Verantwortung unzureichend bleibt, solange nicht auch nach Möglichkeiten gesucht wird, den Menschen Zeit und Raum zu schaffen, in denen über erlittenes Unrecht nachgedacht, Schmerzen ausgesprochen und die befreiende Macht der Vergebung erfahren werden kann. Die Kirchen sollten es als ihre Aufgabe verstehen, jene „Insel der Freiheit“ zu eröffnen und offen zu halten, auf welcher ein zukunftserschließender Umgang mit der Last der Erinnerung und Versöhnung praktiziert werden kann.“

Besonders eindrücklich erlebbar waren die Erinnerungen an die Trennung Berlins auf der Exkursion zur Gedenkstätte Berliner Mauer. Pfarrer Fischer von der Versöhnungskirche erzählte aus dem Leben einer über viele Jahre lang durch die Mauer getrennten Gemeinde, die nun an der Stelle der vom DDR-Regime gesprengten Versöhnungskirche an die Opfer der Mauer erinnert. Während eines Rundgangs durch die Gedenkstätte in der Bernauer Straße wurde die Tragik und Traurigkeit der durch den Mauerbau gespaltenen Lebenswelt Berlins anschaulich vor Augen geführt.

Als Resümee der Berliner Bibelwoche 2009 kann Daniela Hamrová aus Prag dienen, deren Worte vielen aus dem Herzen sprachen: „Das Treffen in Berlin hat uns durch vieles bereichert. Uns wurde bewusst, dass die Freiheit des Christen immer Gültigkeit hat. Sie verpflichtet uns, die anderen wahrzunehmen und sich im Horizont des christlichen Glaubens immer wieder für die Versöhnung einzusetzen, auch wenn es nicht leicht ist. Beim Erzählen konnten wir uns vergegenwärtigen, dass wir Grund haben, die Freiheit noch mehr zu schätzen. Weil es immer noch viele Menschen auf der Welt gibt, die keine Freiheit haben.“

Lisa Weniger ist Studienleiterin von bildung evangelisch in Europa (beE) in Erlangen.

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