Bibelwoche der GEKE 2010

'Ihr seid ein Brief Christi ...' (2. Kor. 3,2f) - Die Briefe des Apostel Paulus und Gemeindebriefe heute

Mit dem Apostel Paulus hat sie begonnen: die christliche Tradition des Briefeschreibens. Mit Briefen wurden Gemeinden gestärkt, kamen Menschen über große Distanzen in Verbindung, entwickelte sich das erste Netzwerk des Christentums, die Kirche. Die Briefe waren Information und Botschaft in einem – und so wurden sie ein unverzichtbarer Teil der Kommunikation des Evangeliums. Das hat Kirche bis heute geprägt. Die Bibelwoche der GEKE – 2010 unter der Leitung von Dr. Tamara Hahn / Berlin, Professor Dr. Martin Friedrich / Wien, Kirchenrat Gerhard Frey-Reininghaus / Prag, Pfarrerin Kathrin Zagel und Dr. Hans Jürgen Luibl beide aus Erlangen - hat diese Tradition aufgenommen und danach gefragt, wie heute etwas bekannt wird vom Leben der Gemeinden und das, was sie bewegt, bekannt wird - in den Gemeinden und über die Gemeindegrenzen hinweg. Von den Niederlanden bis Russland, von Estland bis Ungarn brachten Gemeindeglieder dazu ihre Erfahrungen ein. Sie stellten ihre Gemeindebriefe und Homepages vor, ließen sich inspirieren von gelungenen Kommunikationsideen und kamen über die Grenzen der eigenen Konfessionen und Länder ins Gespräch: wie man gelebtes Evangelium in die Öffentlichkeit bringen kann.

Ein Besuch bei epd-Ost, dem Evangelischen Pressedienst für die ostdeutschen Bundesländer, war dabei von besonderem Interesse. Wie gelingt es, so war die Frage, in die säkulare Medienwelt Nachrichten aus Kirche und auch Theologie einzubringen? Professionelle Medienarbeit ist dafür die Grundlage – aber sie kann nur funktionieren, wenn Kirche auch etwas mitzuteilen hat. Beides, so hat es sich gezeigt, ist in den evangelischen Kirchen und Gemeinden Europas gegeben: es gibt das lebendige Evangelium als Gute Nachricht, und man kann daraus gute Nachrichten machen. Dazu gehört es seit den Tagen des Apostel Paulus auch, die Kontroversen in den Gemeinden und Konflikte mit der Gesellschaft nicht zu verschweigen, sondern öffentlich und transparent zu machen. So klar der Auftrag der öffentlichen Kommunikation des Evangeliums in allen Kirchen aufgenommen ist, so unterschiedlich wird er je nach den eigenen Möglichkeiten umgesetzt. Während etwa in Russland Zeitungen evangelische Gemeinden kaum oder gar nicht wahrnehmen, gibt es in Ungarn etwa die Möglichkeit, dass Kirchen in Rundfunk und Fernsehen kleine Sendezeiten haben. In Deutschland oder den Niederlanden gibt es neben eigenen Zeitungen auch eigene Kirchenredaktionen für die säkularen Medien.

Einig war man sich schnell, dass auch der Austausch von Nachrichten über die Grenzen der Gemeinden und Kirchen hinweg für die Entwicklung der Kirche wichtig ist. Paulus hatte zu seiner Zeit und in der damals bekannten Welt ein Brief-Netzwerk aufgebaut und damit ist Kirche gewachsen. Wäre es heute nicht eine zentrale Aufgabe, in einem gemeinsamen Europa evangelische Kirchen und Gemeinden enger miteinander zu verknüpfen? Und hier könnten Kirchen noch mehr als bisher einander auch Schreib-Hilfe bieten, also Ausbildungsmöglichkeiten eröffnen. Es ist eine gemeinsame Aufgabe, auf dem übersättigtem Markt der Nachrichten nicht einfach noch mehr ungelesene Leer-Botschaften zu produzieren, sondern jene Themen zu finden und in die Öffentlichkeit zu bringen, die Kirche wachsen lassen.

Den Schlüssel für die rechte Kommunikation des Evangeliums fanden die Teilnehmerinnen der Bibelwoche wiederum bei Paulus selbst. Es wird nicht genügen, lediglich die professionellen Mittel der modernen Nachrichtenübermittlung anzuwenden. Entscheidend ist wohl, dass Menschen sich selber als lebendigen Brief verstehen lernen, als Briefträger oder Botschafter des Evangeliums – so schreibt es der Apostel in seinem zweiten Brief an die Gemeinde in Korinth. Bei Paulus, dem ersten christlichen Publizisten, jedenfalls war das so und vielleicht ist seine Medienarbeit deswegen gelungen und bis heute richtungsweisend.

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