Der Schutz der Menschenrechte ist eine gemeinsame Aufgabe der Kirchen

Das Präsidium der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) würdigt den 60. Jahrestag der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember und spricht sich mit Nachdruck gegen jede Einschränkung der Menschenrechte aus religiösen Gründen aus.

Aus christlicher Sicht sind „Menschenrechte“ solche Rechte, die dem Schutz der allen Menschen von Gott gegebenen Würde dienen, unabhängig von ihrer Religion oder Weltanschauung. Wie sie durch keine innerweltliche Instanz verliehen wer¬den, so können sie auch von keiner Instanz abgesprochen werden; sie sind unantastbar, unveräusserlich und unteilbar. Die GEKE hält es für eine wichtige Errungenschaft, dass sich die Staaten 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte an verbindliche Grundrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gebunden haben. Die Menschenrechte sind eine Verpflichtung für staatliches Handeln. Sie bilden eine tragfähige Basis für das Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturen in einer Gesellschaft.

Die evangelischen Kirchen in Europa haben sich in ihrem Lehrgespräch zu „Gesetz und Evangelium“ intensiv mit dem Verhältnis von Menschenrechten und Religion auseinander gesetzt. Sie erinnern daran, dass das Recht auf freie Religionsausübung eine der Wurzeln der Menschenrechte ist. Deshalb sollten sich gerade die Kirchen gegen eine Aushöhlung der Menschenrechte einsetzen. Nach evangelischem Verständnis darf das Zusammenleben der Menschen in einer demokratischen Gesellschaft nicht unter den Vorbehalt von kulturellen Traditionen und Rechtsauffassungen gestellt werden, die den Grundsatz der Gleichheit verletzen. Dies birgt die Gefahr, dass in Zukunft jede gesellschaftliche Gruppe die allgemeine Geltung der Menschenrechte aufgrund ihrer spezifischen Interessen einschränken könnte.

Die Menschenrechte formulieren unantastbare und gleiche Freiheits- und Schutz- und Teilhaberechte für jede Person. Deshalb gehören die Menschenrechte keinem Staat, keiner Organisation oder Institution, sondern jedem einzelnen Menschen. Sie bilden die Voraussetzung für das solidarische Zusammenleben von Menschen in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Einem individualistischen, unsolidarischen Verständnis der Menschenrechte steht entgegen, dass das Recht durch die wechselseitige Verantwortung in der Gesellschaft nicht abgelöst, sondern überboten wird. Ein Nachdenken über Menschenrechte muss darum aus der Perspektive derer erfolgen, denen sie verweigert werden.

Auch 60 Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gibt es in allen Teilen der Welt Menschen, denen ihre fundamentalen Rechte verweigert werden. Die GEKE beobachtet mit Sorge, dass zunehmend religiöse Argumente angeführt werden, um eine Einschränkung der Menschenrechte zu begründen. Der Schutz der Menschenwürde, der Menschenrechte und besonders der Religionsfreiheit bildet eine gemeinsame Aufgabe der in der Ökumene versammelten Kirchen. Dazu haben sich die europäischen Kirchen in der Charta Oecumenica verpflichtet: „Aufgrund unseres christlichen Glaubens setzen wir uns für ein humanes und soziales Europa ein, in dem die Menschenrechte und Grundwerte des Friedens, der Gerechtigkeit, der Freiheit, der Toleranz, der Partizipation und der Solidarität zur Geltung kommen.“

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