Die Evangelischen Kirchen in Europa äußern sich zu Sterbehilfe

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE veröffentlicht „A time to live and a time to die“, eine Orientierungshilfe zu Fragen am Lebensende, sowie parallel die Internetseite www.atimetolive.eu.

„A time to live and a time to die“ bietet eine Orientierungshilfe zur medizinischen Sterbehilfe und zur Beihilfe zum Suizid. Die Studie ist das Ergebnis eines intensiven Konsultationsprozesses der 105 GEKE-Kirchen in 30 Ländern auf der Grundlage eines Textes des Fachkreises Ethik der GEKE. Mit dem nun vorgelegten Dokument bringen die evangelischen Kirchen in Europa ihre Position in die Diskussionen um einen würdigen Umgang mit dem Lebensende ein.

„Es ist eine Stärke des Protestantismus in Europa, Differenzen ernst zu nehmen und zu Wort kommen zu lassen“, so GEKE-Präsident Thomas Wipf zur heute erschienenen Broschüre, in welcher sich erstmals die evangelischen Kirchen aus ganz Europa gemeinsam zum Thema äußern. „Das Dokument nimmt drängende Fragen auf und ermutigt die Kirchen, sich des Themas in ihrem Kontext intensiver anzunehmen.“

Die 104 Seiten starke Broschüre erörtert grundlegende Fragen des Sterbens im gesellschaftlichen, klinischen und juristischen Kontext. Aus theologischer und ethischer Sicht wird gefragt: Was ist das menschliche Leben? Worin liegt unsere moralische Verantwortung? Wie sensibel sind wir gegenüber dem Willen des Patienten? Dabei greift die Orientierungshilfe die zentralen medizinethischen Fragestellungen auf, etwa das Aussetzen lebensverlängernder Maßnahmen, die Palliativpflege, die Sterbehilfe und die Suizidhilfe.

Die GEKE-Kirchen setzen sich für den Schutz der Menschenrechte von Sterbenden und Sterbenskranken ein. Dies schließt das Recht auf ein Leben bis zum Ende und das Recht auf einen Behandlungsverzicht ein. Gleichzeitig wenden sich die Kirchen dagegen, das Prinzip der Autonomie gegen die Solidarität, Empathie und Sorge für die Kranken und Sterbenden auszuspielen.

Die GEKE-Kirchen wenden sich gegen eine theologisch-ethische Rechtfertigung von Sterbehilfe und Beihilfe zur Selbsttötung. Zugleich nehmen sie den Wandel der gesellschaftlichen Haltung gegenüber bestimmten Formen der Sterbehilfe und der Suizidhilfe wahr. Die Studie betont die Notwendigkeit, die sozialen, medizinischen und pflegerischen Rahmenbedingungen für ein würdiges Leben und Sterben zu verbessern. Dazu gehören ein Auf- und Ausbau von Hospizeinrichtungen und die Förderung der Palliativpflege in Theorie und Praxis.

Kirchliches Handeln orientiert sich an der Sorge um den Menschen . Die Orientierungshilfe ruft dazu auf, den Schutz des Lebens einzufordern, sich für würdige Bedingungen zum Leben und Sterben in Kliniken und Hospizen einzusetzen.

Zur Orientierungshilfe veröffentlicht die GEKE heute außerdem die Internetseite www.atimetolive.eu. Neben der Publikation selbst führen dort Texte aus verschiedenen Ländern und Kontexten in das Thema ein. Die Besucher sind eingeladen, aktiv mitzudiskutieren und zu kommentieren.

Hinweis: Alle Informationen, die Publikation sowie weitere Texte ab sofort auf www.atimetolive.eu. Die Orientierungshilfe erscheint zunächst in englischer Sprache, die deutsche und französische Version folgen im Herbst 2011.

Wien, 16. Mai 2011

***
Zur Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) – Leuenberger Kirchengemeinschaft haben sich 105 protestantische Kirchen in Europa (und in Südamerika) zusammen geschlossen. Lutherische, reformierte, unierte, methodistische und vorreformatorische Kirchen gewähren einander durch ihre Zustimmung zur Leuenberger Konkordie von 1973 Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Die Anschrift lautet: GEKE-Geschäftsstelle, Severin-Schreiber-Gasse 3, A-1180 Wien, Tel.: +43.1.4791523.900, Telefax: +43.1.4791523.580, Email: office@leuenberg.eu, Internet: www.leuenberg.eu. Pressekontakt: Dipl. theol. Thomas Flügge (Bern), Tel. +41.31.37025.02, Fax .80, Mobil: +41.79.6401902, Email: t.fluegge@leuenberg.eu.

ABOUT THE AUTHOR
0 Comment(s) to the "Die Evangelischen Kirchen in Europa äußern sich zu Sterbehilfe"
followme
  • Twitter
  • Facebook

Reformationsstädte Europas