FMECC Assembly Kairo: Evangelische und Christliche Präsenz bedroht

Die vollständige Zerstörung christlicher Präsenz im Nahen Osten verhindern
Haben die Christen im Nahen Osten noch eine Zukunft? Diese Frage stand im Zentrum einer Konferenz in Kairo, zu der die Fellowship of Middle East Evangelical Churches (FMEEC) eingeladen hatte. Neben zahlreichen Kirchenvertretern aus dem Nahen Osten, Amerika und Europa – darunter auch GEKE-Generalsekretär Bischof Michael Bünker – waren auch muslimische Würdenträger gekommen, um gemeinsam darüber nachzudenken, wie das friedliche Miteinander der Religionen im Nahen Osten gefördert und gesichert werden kann. Die Frage nach der Zukunft der Christen im Nahen Osten ist nicht neu. Seit vielen Jahren sehen Kirchenführer mit Sorge, dass viele Christen die Region verlassen, um sich anderswo eine Zukunft aufzubauen. Mit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien und spätestens seit dem grausamen Auftreten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak ist diese alt bekannte Sorge in eine existenzielle Angst umgeschlagen. Aus allen Kirchen im Nahen Osten sind deutliche Hilferufe zu hören. Erst kürzlich wandte sich der Höchste Rat der Evangelischen Gemeinden in Syrien und Libanon mit einem dringenden Appell an alle evangelischen Kirchen in der Welt, die vollständige Zerstörung christlicher Präsenz im Nahen Osten zu verhindern. Deutliche Worte fanden auch die Teilnehmenden der FMEEC-Konferenz in Kairo vergangene Woche. „Müssen wir in einer Welt leben, in der unsere Kinder getötet werden? Ist das Islam?“, fragte Adeeb Awad von der Presbyterianischen Kirche in Syrien und im Libanon die muslimischen Vertreter aus dem Libanon, Tunesien und Ägypten. Unisono betonten diese, dass der Islam mit IS nichts zu tun habe, dass der Islam auf Toleranz und Barmherzigkeit basiere. Anhand verschiedener islamischer Gesellschaftskonzepte, darunter die neue tunesische Verfassung, zeigten sie auf, dass eine rechtliche Gleichheit zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen mit dem Koran begründbar ist. Dabei wurde auch deutlich, wie sehr die muslimischen Teilnehmenden darunter leiden, welches Bild IS und andere dschihadistische Terrorgruppen derzeit vom Islam zeichnen. „Viele Muslime sind in Sorge. Die Dinge verändern sich so dramatisch“, sagte ein muslimischer Teilnehmer, der früher selbst Mitglied der Muslimbruderschaft in Ägypten war. „Wir müssen unser religiöses Erbe und die Grundprinzipien des Islam, welche Friede, Demut und Toleranz sind, retten“, sagte er. Ähnliche Töne schlug auch Scheich Mohammed Eddin Afifi vom Rat für Islamische Studien an der Al-Azhar an, welche die höchste Lehrinstitution im sunnitischen Islam ist. „Wir in der Azhar leiden sehr unter dieser Gewalt, die im Namen des Islam verübt wird“, sagte er. Die Azhar sei sich sehr der Dramatik der Situation bewusst. Immer wieder rufe sie zur friedlichen Koexistenz zwischen Muslimen und Christen auf, und sei deswegen auch bereits ins Visier der Extremisten geraten. „Es gibt Kräfte, die versuchen, den guten Ruf der Azhar in der islamischen Welt zu zerstören“, sagte Afifi. Für ihn sei die starke Ausbreitung des Extremismus in der islamischen Welt Ausdruck mangelnder Bildung. „Wir müssen den Menschen in unseren Ländern klarmachen, dass die Dschihadisten ein falsches Bild vom Islam zeichnen, dass der Islam in Wirklichkeit moderat ist. Dabei brauchen wir Ihre Hilfe.“ Der lutherische Bischof aus Jerusalem, Munib Younan, griff den Ball auf und unterstrich, dass Christen im Nahen Osten nur eine Chance haben, wenn man gemeinsam in die Bildung der breiten Massen investiere und so radikale Denkmuster ausschalte. „Wir müssen die Lehrpläne in der arabischen Welt ändern, damit die Menschen lernen, sich in ihrer Unterschiedlichkeit zu akzeptieren und friedlich miteinander zu leben“, sagte Younan. Dass nicht mehr gewartet werden kann, zeigten die Berichte von Pfarrern aus Syrien, Irak und dem Libanon. Der Armenisch-evangelische Pfarrer Haroutune Selimian aus Aleppo berichtete, dass die Menschen in seiner Gemeinde Angst vor der Zukunft hätten. Die Stadt würde immer wieder angegriffen, wobei die Kriegsparteien besonders die Ziele ins Visier nähmen, wo viele Menschen lebten. „Im Stadtzentrum gibt es mittlerweile kein einziges Gebäude mehr, in dem jemand wohnt.“ Fast die gesamte armenische Gemeinschaft sei mittlerweile nach Armenien ausgewandert. Eine besonders tragische Aktualität bekam das Thema, als während der Konferenz eine Autobombe in Bagdad Gemeindeglieder eines anwesenden Pfarrers mit in den Tod riss. „Es ist besonders schmerzhaft, dass die Christen in den Ursprungsländern der Kirche um ihre Zukunft bangen müssen“, sagte Bischof Dr. Michael Bünker, Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Mit ihnen würde der weltweite Baum des Christentums seine Wurzel verlieren. „Deswegen brauchen sie unsere Unterstützung. Wir müssen die Beziehungen vertiefen und für ihre Rechte eintreten“, sagte Bünker. Dabei sei es wichtig, auf die Christen zu hören und zu fragen, was sie von den westlichen Partnern brauchen. „Die Christen im Nahen und Mittleren Osten leben seit Jahrhunderten mit islamischen Bevölkerungsmehrheiten zusammen. Sie wissen selbst am besten, was getan werden muss, damit ein friedliches Zusammenleben wieder erreicht und für die Zukunft gesichert wird.“ Katja Dorothea Buck
Im Bild: Rosangela Jarjour, Generalsekretärin der FMEEC, und GEKE-Generalsekretär Bischof Michael Bünker. Zu einem nächsten persönlichen Zusammentreffen von VertreterInnen von FMEEC und GEKE soll es auf Einladung der GEKE im Rahmen der Synodalenbegegnung im Januar 2015 in Budapest kommen. 
 

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