Frei für die Zukunft – Verantwortung für Europa

Die 7. Vollversammlung der GEKE in Florenz wendet sich mit einer Stellungnahme zur Lage in Europa an ihre Mitgliedskirchen und an die Öffentlichkeit.

Das Papier erkennt bisherige Bemühungen zur Krisenbewältigung an und hält fest, dass es keinen Königsweg einer Lösung gebe. Entscheidungen müssten sich aber daran messen lassen, wie sie den betroffenen Menschen und Gesellschaften dienen sowie den europäischen Einigungsprozess erhalten.

Die Kirchen der GEKE sind überzeugt, dass nur mit Mut zur Wahrheit über das Ausmaß und die Konsequenzen der gegenwärtigen Krise Handlungsspielräume für die Zukunft gewonnen werden können. Es sei notwendig, aber auch befreiend, sich unbequemen Wahrheiten zu stellen. Eine Ideologie der Alternativlosigkeit sei das Gegenteil von Wahrheit. „Die Wahrheit wird euch frei machen“ zitieren die GEKE-Kirchen das Johannesevangelium.

Eine Konzentration der Krisenbewältigungsstrategien auf Sparprogramme und Haushaltskonsolidierung nehme die sozialen Folgen der Krise nicht ausreichend wahr, kritisiert die Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa. Sozialpolitische Zielsetzungen blieben bisher weit hinter Einsparungsprogrammen zurück. Auch die Steuerpolitik sei bisher gegenüber Sparmaßnahmen nicht ausreichend berücksichtigt worden. Investitionen der öffentlichen Hand in den Bildungsbereich zur Bekämpfung von allem der Jugendarbeitslosigkeit und eine höhere Besteuerung von hohen Einkommen und Vermögen, auch befristet, erscheinen als sinnvolle Maßnahmen, die Lasten gerechter zu verteilen. Es sei christliche Überzeugung, dass der Stärkere mehr leisten kann als der Schwächere.

Aus dem evangelischen Verständnis von Freiheit und der untrennbar damit verbundenen Verantwortung leiten die GEKE-Kirchen ihre Forderung ab, das Prinzip von Risiko und Haftung auch in der Finanzwirtschaft wiederherzustellen. Sichtbare Schritte in diese Richtung könnten eine Finanztransaktionssteuer und eine europäische Bankenunion sein.

Abgesehen von aktuellen Aufgabenstellungen wirft das Papier auch die Grundsatzfrage nach einem geeigneten Wirtschaftsmodell auf. Die soziale Marktwirtschaft sei nach evangelischem Verständnis nicht nur eine Wirtschafts-, sondern auch eine Werteordnung. Mehr Verteilungsgerechtigkeit, stabile Sozialsysteme und nachhaltiges, die Schöpfung erhaltendes Wirtschaften müßten daher gegenüber Wirtschaftswachstum und Marktlogik ebenfalls berücksichtigt werden.

Die Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa möchte Partnerschaften von Kirchen quer durch Europa stärken und betont die Notwendigkeit von Solidarität und Zusammenarbeit für das Miteinander in Europa. Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts „verlangen nach einem freien und geeinten Europa, dessen Bereitschaft zur Solidarität nicht an den Grenzen einzelner Staaten endet und über die Grenzen Europas hinausreicht“, so das Europa-Papier der GEKE.

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