„Spürbare Europäisierung des Kirchentages“

GEKE-Generalsekretär Bünker beim Europa-Forum

GEKE-Generalsekretär Bünker gratuliert Deutschem Evangelischem Kirchentag
zur zunehmenden Europäisierung
 
Zum Abschluss der Diskussionsreihe „Europa“ beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg forderte der Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, Bischof Dr. Michael Bünker, den Menschen in Europa die Wahrheit in Bezug auf wirtschaftliche und soziale Entwicklungen in Europa zuzumuten. In Anlehnung an das berühmte Zitat von Ingeborg Bachmann sagte Bünker zur Debatte über europäische Institutionen und ihre wahrgenommene Arbeitsweise: „Ist die Wahrheit nicht da, ist auch das Vertrauen nicht da.“
 
Die Veranstaltung im bis auf den letzten Platz gefüllten Thalia-Theater stand unter dem Titel „Europa auf der Couch“ und widmete sich der Identitätssuche des Kontinents. In ihrem Eröffnungsstatement sprach sich die Politikwissenschafterin Dr. Gesine Schwan gegen wenig aussagekräftige Begriffe wie „Wertegemeinschaft“ zur Definition der europäischen Identität aus – vielmehr gelte es, einen Kern-Wert herauszustellen. Dieser sei mit der Solidarität gegeben und dort liege aufgrund der Radikalisierung der Marktwirtschaft auch das große Defizit in Europa: „Wir müssen aus dem Geist der Bergpredigt heraus in die Diskussion eingreifen!“
 
Zur Frage nach der Rolle der Kirchen für die europäische Integration meinte GEKE-Generalsekretär Bünker, das Sichtbarmachen von Einheit in Vielfalt, wie es gerade die evangelischen Kirchen praktizieren, könne ein Modell auch für die politische Ebene sein. Immer sei es Aufgabe der Kirchen, die Stimme für die Armen zu erheben: „Die Folgen der Krise auf den Schultern derer abzuladen, die sie definitiv nicht verursacht haben, entspricht nicht christlichem Verständnis!“ Religionsgemeinschaften könnten zeigen, dass Unterschiede sich positiv auswirken, sagte Bünker, der seine Aussagen ausdrücklich auch auf die islamische Glaubensgemeinschaft bezog.
 
Bünker forderte auch eine andere, nämlich ehrliche Form der Kommunikation zwischen Politik und Institutionen einerseits und der Öffentlichkeit andererseits. „Es kann nicht sein, dass vor Wahlen Politiker aller Couleurs versprechen: Wir schützen Euch vor Europa!“ Der GEKE-Generalsekretär verwies in diesem Zusammenhang auf das Europäische Jahr der Bürgerinnen und Bürger 2013, das im Vorfeld der Europawahlen 2014 eine breite Debatte eröffnen sollte, wo die Wünsche und Interessen der Bevölkerung liegen. „Evangelische Kirchen haben sich in ihrem Eintreten für Demokratie schon bisher zu Wahlen geäußert und werden das auch vor den Europawahlen 2014 tun.“ Dem Deutschen Evangelischen Kirchentag sprach Bünker für die „spürbare Europäisierung“ sein Kompliment aus.
 
Weiters auf dem Podium: Sylvie Goulard MdEP, Paris; Dr. Ulrike Guérot, European Council on Foreign Relations, Berlin. Es moderierten Julia Borries und Dr. Dieter Heidtmann. Die Veranstaltung wurde musikalisch von einer Gruppe der HipHopAcademy Hamburg begleitet, u.a. mit einer HipHop-Version der Europa-Hymne „Ode an die Freude“.
 
Hamburg, 4. Mai 2013

ABOUT THE AUTHOR
0 Comment(s) to the "„Spürbare Europäisierung des Kirchentages“"
followme
  • Twitter
  • Facebook

Reformationsstädte Europas