Theologische Aus- und Fortbildung

Konsultation der GEKE-Kirchen in Straßburg

Zu einer Konsultation zum Thema „Perspektiven für die theologische Aus- und Fortbildung in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ trafen sich vom 12. bis zum 15. November 2015 42 Vertreterinnen und Vertreter evangelischer Kirchen aus dreizehn europäischen Ländern im Centre Culturel St. Thomas in Straßburg. Die Konsultation wurde von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) veranstaltet. Sie bildet ein zentrales Element in einem Konsultationsprozess, der auf dem 2012 von der GEKE-Vollversammlung in Florenz verabschiedeten Dokument „Die Ausbildung für das ordinationsgebundene Amt in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ basiert. Die Impulse dieses Dokuments, insbesondere im Bereich der Fortbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern, sollen aufgenommen und weiterentwickelt werden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer tauschten Berichte über Herausforderungen, Organisation und inhaltliche Schwerpunkte der Fortbildung in ihren jeweiligen Ländern und Kirchen aus. Zwei thematische Vorträge (Prof. Dr. Beate Hofmann / Wuppertal und PD Dr. Detlef Dieckmann-von Bünau / Pullach) waren dem didaktischen Konzept theologischer Fortbildung unter Berücksichtigung des europäischen Horizontes gewidmet. Daneben standen ein Besuch im Europarat und ein Gespräch mit der Leiterin des Democratic Citizenship and Human Rights Education Unit, Yulia Pererva, auf dem Programm.

In Arbeitsgruppen und Plenardiskussionen wurden zentrale Gesichtspunkte zur Fortbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern entwickelt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer teilten die Überzeugung, dass sich für die Kirchen aus der Ordination die Pflicht zur Fortbildung ergibt. Eine qualitätsvolle Fortbildung wird die Attraktivität des Pfarrberufes und die Freude an der Berufsausübung stärken. Fortbildung ist ein wichtiger Bestandteil zur Weiterentwicklung und Förderung der pastoralen Identität und der Wertschätzung der Pfarrerinnen und Pfarrer. Die Kirchen stellen sich damit ihrer Verantwortung für Person- und Personalentwicklung.

Die Kontexte und Konzeptionen der Fortbildung in den unterschiedlichen Ländern und Regionen Europas erwiesen sich als außerordentlich vielfältig. Gleichwohl stehen die Kirchen vor vergleichbaren Herausforderungen. Die unterschiedlich gelagerten Transformationsprozesse auf ökonomischer, sozialer, kultureller, mentaler und religiöser Ebene im heutigen Europa erfordern entsprechende Veränderungen in der pastoralen Fortbildung. Bei den Überlegungen, wie Fortbildung zukünftig besser zu gestalten sei, sind Beispiele aus anderen Ländern fruchtbar und inspirierend. Das steigende Interesse an guter, gesprächsfähiger und interdisziplinär ausgerichteter Theologie wurde besonders hervorgehoben. Es bestand ein Konsens, dass die Wechselbeziehungen zwischen akademischer Theologie und pastoraler Praxis in beiden Richtungen gestärkt werden müssen.

Die Fortbildungsprogramme müssen stärker die heutigen Erkenntnisse der Lernforschung beachten. Dazu gehört die Einsicht, dass die Lernenden die Subjekte ihrer eigenen Lernprozesse sind und dass Lehrende und Lernende miteinander und voneinander lernen. Die Auswahl von Themen sollte sich an drei Schwerpunkten ausrichten: 1.) der Entwicklung von Stärken und der Intensivierung der Praxisreflexion, 2.) der Entwicklung von Spezialisierungen, 3.) der Rückbesinnung und Vergewisserung. Während der Konsultation wurde das besondere Gewicht des ersten und des dritten Schwerpunkts deutlich. Fortbildung setzt eine Atmosphäre voraus, in der sich die Teilnehmenden mit ihren Fragen und Problemen unbefangen begegnen und auf Augenhöhe kommunizieren können. Internationale Kooperationen bieten dafür eine besondere Chance, weil sie Räume der Begegnung ohne die Fixierung auf bestimmte Rollen und Zuschreibungen (z.B. Geschlecht, Herkunft, Konfession, Status) eröffnen. Der Blick von außen fördert die Selbstwahrnehmung und die differenziertere Sicht auf die jeweils eigenen Lebens- und Arbeitsfelder.

Wichtig ist die stärkere Vernetzung der evangelischen Fortbildungsinstitutionen und -akteure in Europa, die nach dem Grundprinzip der Solidarität agieren. Dafür sollte eine Internetplattform auf der Website der GEKE eingerichtet werden, die interaktiv ausgerichtet wird und unter anderem auch  Beispiele guter Praxis und Erfahrungsberichte dokumentiert. Die Teilnahme an den nationalen Fortbildungsangeboten sollte grundsätzlich auch Pfarrerinnen und Pfarrern aus anderen Ländern ermöglicht werden, gegebenenfalls durch die Übernahme von Förderpartnerschaften. Länderüberschreitende Fortbildungsprogramme, wie sie in manchen benachbarten Kirchen schon erfolgreich entwickelt worden sind, verdienen den weiteren Ausbau; sie vertiefen die Kirchengemeinschaft in den einzelnen europäischen Regionen. Anzustreben ist ein europäisches Summer College für Pfarrerinnen und Pfarrer, das einmal jährlich von einer der Mitgliedskirchen der GEKE getragen und ausgerichtet wird. Es wurde in Aussicht gestellt, ein solches Summer College aus Anlass des 45. Jahrestages der Verabschiedung der Leuenberger Konkordie 2018 in Schweizer Regie auf dem Leuenberg durchzuführen.

Auf der Basis der auf der Konsultation gewonnenen Ergebnisse wird eine vom Rat der GEKE berufene Arbeitsgruppe einen Impulstext zum Thema der Konsultation erarbeiten, in dem Perspektiven guter theologischer Fortbildung entfaltet und weiter konkretisiert werden. Der Text soll eine Bestandsaufnahme, eine Verständigung über einige Grundprinzipien sowie konkrete Empfehlungen enthalten. Im Laufe des Jahres 2016 soll er den Mitgliedskirchen der GEKE zur Stellungnahme zugeleitet und nach einer abschließenden Redaktion der GEKE-Vollversammlung 2018 zur Annahme vorgelegt werden.

Die Anwesenden regten an, den in Straßburg eröffneten Gesprächsprozess zu Fragen der Fortbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern zu gegebener Zeit fortzusetzen, und sprachen sich für einen europaweiten Austausch der Akteure der  Fortbildung von Pfarrerinnen und Pfarrern auf Konferenz- und Arbeitsebene aus.

 

Straßburg, den 15. November 2015

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