Zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit - Generalsekretär Bünker berichtet an die GEKE-Vollversammlung

In den Möglichkeiten stecken bleiben, weil ja immer alles auch anders sein könnte – das sei kein Weg für die Aufgaben und die Arbeitsweise der GEKE, sagte Generalsekretär Bischof Michael Bünker in seinem Bericht an die Vollversammlung der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa am zweiten Sitzungstag in Florenz.

Zurückkommend auf die 29 Arbeitsaufträge, die die Vollversammlung von Budapest 2006 für Rat und Geschäftsstelle beschlossen hatte, hob Bünker besonders das Anliegen, jüngere Menschen an der Arbeit der GEKE zu beteiligen, hervor. Der Vollversammlung in Florenz liegen zwei Studien vor, in die sich junge Theologinnen und Theologen einbringen konnten. Das Durchschnittsalter der Verfasserinnen und Verfasser von „Stand Up for Justice“ und „Ecclesia semper reformanda“ lag bei 30,2 Jahren. Erstmals konnte in Florenz mit Unterstützung der Kirche von Norwegen und in Kooperation mit dem Centro Melantone in Rom ein Stewardprogramm eingerichtet werden, in dessen Rahmen 18 jungen Menschen aus neun Ländern, meist Studierenden der Theologie, die Teilnahme und Mitarbeit an der Vollversammlung ermöglicht wird. Junge VikarInnen und PfarrerInnen, von ihren Herkunftskirchen entsendet und finanziert, unterstützten die Geschäftsstelle in Wien und die GEKE-Präsenz an internationalen Begegnungen und Tagungen.

Eine weitere Schwerpunktsetzung von Budapest bezog sich auf den Themenbereich „Bildung“, dem einerseits mit einer Buchpublikation, andererseits mit einer Konsultation Rechnung getragen wurde. „Die Weiterarbeit an den Anliegen der Bildung ist für uns von großer Bedeutung, etwa durch die evangelischen Schulen, mit denen der Protestantismus einen wichtigen Beitrag für das Europa von morgen leistet“, betont Bünker. „Der neu zu wählende Rat wird die nächsten Schritte festzulegen haben.“

Besonders erfreulich habe sich in den letzten Jahren die Arbeit der Regionalgruppen entwickelt, berichtet Bünker. Zu den bereits 2006 bestehenden Gruppen „Südost“ und „Nordwest“ kam die Konferenz der Kirchen am Rhein. Im Entstehungsprozess befinde sich eine Nordgruppe, die schlussendlich auch das Begegnungsforum für die GEKE-Mitgliedskirchen der britischen Inseln sein könnte. Die CEPPLE, Conférence des Eglises protestantes des Pays latins d´Europe, hat bereits beschlossen, sich als Regionalgruppe der GEKE konstituieren zu wollen. „Damit kann den rein zahlenmäßig sehr kleinen Diaskorakirchen in den romanischsprachigen Ländern eine stärkere Gemeinschaft untereinander und eine intensivere Anbindung an den Protestantismus in ganz Europa geboten werden“, sagt Generalsekretär Bünker.

Bünker schloß seine Ausführungen vor der Vollversammlung mit einem Hinweis auf die Hauptperson aus Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“, einem homo optionalis, der in seinen Möglichkeiten stecken bleibe. „Was ihm, denke ich, fehlt, ist das Evangelium, das wirklicher ist als alle erfahrbare Realität. Ich halte es für ein besonderes Geschenk, dass wir all den homines optionales, die sich im Europa von heute einen Verständnisweg und einen Entscheidungsweg suchen, von diesem Evangelium sagen können und sagen sollen. In aller Verschiedenheit unserer Kirchen sind wir in diesem Auftrag eins.“

ABOUT THE AUTHOR
0 Comment(s) to the "Zwischen Möglichkeit und Wirklichkeit - Generalsekretär Bünker berichtet an die GEKE-Vollversammlung"
followme
  • Twitter
  • Facebook

Reformationsstädte Europas