Die Kirche Jesu Christi

Der reformatorische Beitrag zum ökumenischen Dialog über die kirchliche Einheit

Leuenberger Texte 1

Auf der 3. Vollversammlung der an der Leuenberger Konkordie beteiligten Kirchen (18. - 24.3.1987 in Straßburg) wurde zum Gegenstand weiterer Lehrgespräche ein ekklesiologisches Thema bestimmt: Die "Kennzeichen der Kirche als der von Jesus Christus berufenen und gesandten Gemeinschaft - der reformatorische Beitrag zum ökumenischen Dialog über die kirchliche Einheit".

Zur Durchführung dieses Vorhabens empfahl die Vollversammlung folgende Gesichtspunkte und Maßgaben:

  • "keine bloß historische, sondern eine an gegenwärtigen Problemen orientierte Ausarbeitung
  • Zuordnung des Amtes (Priestertum) aller Glaubenden zum ordinierten Amt
  • Einheit in der Gemeinde und unter den Kirchen und die Vielfalt der Gaben in der Gemeinde und in den Kirchen
  • Kirche als Institution unter der Leitung des Heiligen Geistes
  • Kirche als Sakrament und Kirche als 'große Sünderin' (Martin Luther)
  • (Vereinbarkeit des katholischen und reformatorischen Kirchenverständnisses)
  • das Verhältnis der Christenheit zum jüdischen Volk im Rahmen reformatorischer Ekklesiologie und in der Perspektive unserer Identität als Kirche."

Außerdem sollte geprüft werden, wie das Thema 'Schrift und Tradition' (etwa als fundamentaltheologische Besinnung) mit dieser ekklesiologischen Fragestellung verknüpft werden kann. Dazu hat der Exekutivausschuß aufgrund von Vorarbeiten der Ökumenischen Institute in Bensheim, Bern und Straßburg eine Projektskizze anfertigen lassen, die den an der Leuenberger Konkordie beteiligten Kirchen zur Stellungnahme vorgelegt wurde. 17 Kirchen haben darauf reagiert. Aufgrund der Stellungnahmen hat der Exekutivausschuß im Januar 1989 in Straßburg drei Leitlinien für die Arbeit der Projektgruppe festgelegt. Dabei wurde das von der Vollversammlung angeregte Thema "Schrift und Tradition" vorläufig zurückgestellt.

Die Leitlinien lauteten:

  1. Das Kirchenverständnis muß als Konsequenz und Anwendung der reformatorischen Rechtfertigungslehre (Vorrang des Wortes Gottes, Priestertum aller Gläubigen, Fehlbarkeit der Kirche etc.) durchsichtig werden.
  2. Vorrangig sollte Bezug genommen werden auf den reformiert-lutherisch-uniert-waldensischen Dialog und die in ihm unterschiedlich bis kontrovers gesehenen Auffassungen von Kirche. An zweiter Stelle sollte die ökumenische Offenheit auf andere christliche Kirchen hin und die Modellhaftigkeit der Leuenberger Konkordie profiliert werden.
  3. Die Erklärung sollte zugespitzt werden auf die praktischen Aufgaben der Kirchen vor Ort im konfessionellen und ökumenischen Miteinander und im Gegenüber zur (atheistischen, säkularisierten, religiösen) Umwelt". Zur Erarbeitung der vorliegenden Studie kam die Projektgruppe zu einer Vorbereitungstagung (1989: Bergkirchen, Deutschland) und zu vier Konsultationen (1989: Villigst, Deutschland; 1990: Driebergen, Niederlande; 1991: Breklum, Deutschland; 1992: Sand bjerg, Dänemark) zusammen. Die Titel der hierbei gehaltenen Vorträge sind im Anhang chronologisch zusammengestellt.

Der Exekutivausschuß hat das vorläufige Ergebnis der Projektgruppe am 28.10.1992 zur Kenntnis genommen und beraten. Er beschloß, das Dokument nach Einarbeitung von einigen Korrekturen, Ergänzungen und redaktionellen Änderungen den an der Leuenberger Konkordie beteiligten Kirchen mit der Bitte um Stellungnahme bis zum 31.10.1993 zuzuleiten. Auf der 5. Konsultation (2. - 5.12.1993) in Sigtuna, Schweden, wurde der nun vorgelegte Text aufgrund der 24 eingegangenen Stellungnahmen von Einzelpersonen, Kirchen und kirchlichen Bünden, die insgesamt ca. 40 Kirchen umfassen, erarbeitet. Die Projektgruppe legt den Text über den Exekutivausschuß der Vollversammlung vor, die ihn am 9. Mai 1994 in der vorliegenden Fassung angenommen hat.

Die Studie bietet zum ersten Mal eine gemeinsame Selbstbesinnung der reformatorischen Kirchen in Europa über die Kirche und ihren Auftrag. Angesichts der Herausforderungen der Zeit und innerhalb der Ökumene will die Studie eine Orientierung zum Christund Kirchesein nach evangelischem Verständnis geben.

Wilhelm Hüffmeier (hg./ed.)

ISBN 3-87476-305-6

1995 Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main

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