Evangelisch evangelisieren

Perspektiven für Kirchen in Europa

„Der missionarische Auftrag der Kirchen in Europa“ – so umfassend hatte die Vollversammlung der Leuenberger Kirchengemeinschaft in Belfast 2001 das Thema für die künftige Studienarbeit benannt. Gefragt werden sollte jedoch insbesondere nach dem evangelischen Beitrag innerhalb dieser gemeinsamen Aufgabe. Ausgehend vom gemeinsamen Verständnis des Evangeliums und seiner Mitte in der Rechtfertigungsbotschaft war zu klären, „wie das Evangelium so verkündigt werden kann, dass die dazu gewählte Form dem Inhalt entspricht“.

Die vom Exekutivausschuss eingesetzte Lehrgesprächsgruppe griff diese doppelte Zielsetzung auf. Schon im Titel ihrer Studie machte sie deutlich, dass sie einen spezifisch evangelischen Zugang wählen wollte. Ausgangspunkt musste die theologische Klärung sein, und doch wollte die Gruppe nicht vor­rangig eine theoretische Auseinandersetzung führen, sondern den Kirchen und allen Christen/ Christinnen einen Impuls geben, ihr Handeln zu über­denken, ja, ihre Prioritäten neu zu setzen. Innerhalb des großen Feldes der Mission lag der Fokus auf dem Thema der Evangelisierung, d.h. des „Glauben weckenden Zeugnisses“. Hier lag nach Auffassung der Gruppe die größte Herausforderung für viele unserer protestantischen Kirchen in Europa.

Mission ist missio Dei, also eine Bewegung Gottes zu den Menschen, die er durch die Kirche ausübt. Damit schloss sich die Projektgruppe einer breiten Strömung innerhalb der Ökumene an, die von der Welt­missionskonferenz in Willingen 1952 begründet und von David Bosch als „ökumenisch-missio­na­risches Paradig­ma“ bezeichnet wurde. Zentral ist im Teil 2, der die theologischen Grundlagen be­schreibt, jedoch auch die Bestimmung des Rechtfertigungsgeschehens als Befreiung. Damit ist ein Kri­terium für Form und Inhalt der Evangelisierung gewon­nen, ja, schon für die Wahrnehmung der Kontexte, in denen evangelisierendes Handeln sich vollzieht. In 2.10. heißt es: „Evangelische Christen … sehen die Menschen im Lichte der Ver­hei­ßung, das heißt als die, die sie in Gottes Augen sind und wozu sie Gott in Christus berufen hat“. Darum war es der Gruppe wichtig, in Teil 3 die Kontexte in Euro­pa so zu erfassen, dass die Ambi­valenz deutlich wird: Nicht nur als Defizit und als Herausforderung für die Evangelisie­rung, sondern auch als Chance soll die Situation des spät- oder postmodernen Europa be­schrie­ben werden.

Der Zielpunkt des Dokuments ist Teil 4, in dem nach Wegen zur Verwirklichung gefragt ist. Auf allen Ebenen sollte die Option für die Glauben weckende Verkündigung Konsequenzen haben: Bei den ein­zelnen Christen/ Christinnen, in den Gemeinden und überparochialen Diensten unserer Mitgliedskirchen und nicht zuletzt auch in der GEKE selbst.

Der Vollversammlung der GEKE in Budapest wurde das Dokument, das 2002-2004 entstand und 2006 unter Berücksichtigung der zahlreichen Stellungnahmen aus den Mitgliedskirchen überarbeitet wurde, nicht in klassischem Sinne als Lehrgesprächsergebnis, sondern als „Projektstudie“ vorgelegt. Die Vollversammlung nahm den Text mit Dank und Zustimmung entgegen, machte ihn sich zu Eigen und empfahl den Mitgliedskirchen der GEKE, in Auseinandersetzung mit dem vorliegenden Text das eigene evangelisierende Handeln zu überprüfen, zu stärken und weiterzuentwickeln. Eine Reihe von weiteren Empfehlungen soll den Austausch und die Vernetzung von Evangelisierungsprojekten in den Mitgliedskirchen, aber – im Geiste der Charta Oecumenica – auch darüber hinaus fördern.

Zunächst muss die Studie der GEKE in den Mitgliedskirchen bekannt werden. Dazu soll auch diese kleine Broschüre dienen. In die vorliegende Textfassung sind einige aus dem Plenum oder den Arbeitsgruppen der Vollversammlung gewünschte Änderungen eingegangen. Endete die Einleitung der Studie selbst mit einem Zwingli-Zitat, so soll nun eine Liedstrophe von Charles Wesley am Ende stehen:

„My gracious Master and my God,/ assist me to proclaim,/ to spread through all the earth abroad/ the honors of thy name.” (Colours of Grace 23/2)

30 Seiten, 2,00 Euro

2007 Evangelischer Presseverband, Wien

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