Interkultureller Dialog: Nicht ohne die Religionen

Der Rat der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) begrüßt das jüngst vom Europarat angenommene "Weißbuch über interkulturellen Dialog".

Die Erklärung im Wortlaut:

2008 ist das europäische Jahr des interkulturellen Dialogs. Am 7. Mai hat das Ministerkomitee des Europarates, dem 47 europäische Staaten angehören, ein „Weißbuch“ zum interkulturellen Dialog angenommen, das die Grundsätze der europäischen Staaten für den interkulturellen Dialog beschreibt. Der Rat der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), der vom 30. Mai bis 1. Juni in Paris tagt, begrüßt die Bemühungen des Europarates um den interkulturellen Dialog.

Der Rat der GEKE erklärt: Die zunehmende kulturelle Vielfalt Europas stellt uns vor neue soziale und politische Herausforderungen. Interkultureller Dialog ist deshalb kein Randphänomen der europäischen Gesellschaften, sondern ein Prozess, der in die Mitte der Gesellschaft gehört.

Für die evangelischen Kirchen in Europa ist es selbstverständlich, dass die Menschenrechte, die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit den staatlichen Rahmen für den interkulturellen Dialog bilden. Wir begrüßen, dass alle 47 Mitgliedstaaten des Europarates dies durch die Annahme des Weißbuches im Ministerkomitee unmissverständlich deutlich gemacht haben.

Der Rat der GEKE begrüßt, dass der Europarat im Weißbuch ausführlich auf die Bedeutung der Religionen für den interkulturellen Dialog eingeht. Wir sind überzeugt, dass die Gewissheit über die eigene religiöse Identität und das Verständnis für die Glaubensüberzeugungen und Weltanschauungen anderer wichtige Elemente im interkulturellen Dialog sind. Es ist wichtig, die Religionen im interkulturellen Dialog nicht nur als Konfliktfaktoren wahrzunehmen. Wir möchten den Europarat ermutigen, den tagtäglichen positiven Beitrag der religiösen Gemeinschaften zum Gemeinwohl in den europäischen Gesellschaften wahrzunehmen.

Im interkulturellen Dialog muss die Identität des Anderen geachtet werden. Zum interkulturellen Dialog gehört aber auch das Recht, den anderen zu kritisieren. Die Kirchen der Reformation sind aus der Kritik an bestehenden kirchlichen Verhältnissen und Lehren hervorgegangen und wissen sich in besonderer Weise der Freiheit des Glaubens und Gewissens verpflichtet. Der Anspruch der Religionen, in der Öffentlichkeit an anderen Religionen oder gesellschaftlichen Verhältnissen Kritik üben zu dürfen, muss die Bereitschaft, sich selbst infrage stellen zu lassen, einschließen.

Der Europarat setzt im interkulturellen Dialog bei der Menschenwürde des Einzelnen ein. Das entspricht evangelischer Auffassung. Das Recht auf individuelle Freiheit ist untrennbar mit der Verantwortung für die Gemeinschaft verbunden. Die Kräfte, die unsere Gesellschaften zusammen halten, müssen gestärkt werden.

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) hat im Vorbereitungsprozess zum Weißbuch eine ausführliche Stellungnahme zu den Überlegungen des Europarats abgegeben. Über die Kommission Kirche und Gesellschaft der Konferenz Europäischer Kirchen hat sich die GEKE an dem Prozess zur Erstellung des Weißbuches beteiligt. Die Stellungnahme der GEKE finden Sie unter www.leuenberg.eu.

Ein „Weißbuch“ enthält Hintergrundinformationen und Handlungsvorschläge zu bestimmten politischen Themenfeldern für die Mitgliedsstaaten des Europarates. Es ist das Endprodukt eines Konsultationsprozesses, in welchen alle wichtigen gesellschaftlichen Gruppen einbezogen werden.

ABOUT THE AUTHOR
0 Comment(s) to the "Interkultureller Dialog: Nicht ohne die Religionen"
followme
  • Twitter
  • Facebook

Reformationsstädte Europas